Kathrin Buschmann

Autorin

 

Spannend, leidenschaftlich, atemberaubend:

Die Meister der Schatten

Die Meister der Schatten ist mein neues Projekt, mit dessen Planung ich im Frühjahr 2016 begonnen habe. Ich kann noch nicht sehr viele Informationen mit euch teilen, aber wie wäre das hier? Ein Coverentwurf, eine kurze Inhaltsangabe und die aktuelle Fassung des ersten Kapitels? Ich freue mich schon sehr auf die Möglichkeit, mich als Autorin von einer neuen Seite zeigen zu dürfen. 

Seid gespannt auf "Die Meister der Schatten"...

 


 

Inhaltsangabe (vorläufig):

 

Ein Schatten zu sein, zu den Rebellen Aleniens zu gehören, ist Zaradias größter Wunsch. Für diesen Traum kehrte die junge Frau ihrem alten Leben den Rücken und wurde fernab ihrer Heimat zu einer verruchten Assassine. Auf dem Abenteuer ihres Lebens und in einer Zeit enormer Veränderungen, gilt es für Prinzen, Mörder, Spione und Rebellen ein Spiel zu spielen, bei dem ein einziger Fehltritt den Tod bedeuten könnte.

Doch schon bald soll nicht mehr nur Zaradias Leben und das ihrer Begleiter auf dem Spiel stehen, sondern ihr dunkles Herz.

Wie weit wird die Assassine gehen, um die Geheimnisse über die legendären Meister der Schatten und das Schicksals Aleniens aufzudecken?

Ein Leben zwischen Wahrheit und Verrat beginnt.

 

Kapitel 1: In den Straßen Sycamores

 

 

 Leonardos Taverne war wie an jedem Abend brechend voll. Stinkende Kerle türmten sich vor der Bar, ruderten grölend mit den Armen, um noch einen Krug des schlechten Bieres zu erstehen, für das das Schankhaus am Rande der Stadt Sycamore bekannt war.

Die trockene, heiße Luft, typisch für die Wüstenregion im Westen des Landes Alenien, brannte in den Augen und auf der Haut.

Lautes Geschrei tönte durch den heruntergekommenen Schankraum und eine Gruppe Männer, die um einen der großen Holztische versammelt stand, schleuderte empört ihre Bierkrüge von sich, um dann ihre Geldkatzen gänzlich zu leeren.

„Wer ist der Nächste?“, rief eine junge Frau, die einem wahrlichen Muskelberg gegenüber an dem Tisch saß.

Mit einem siegessicheren Grinsen las sie die Geldmünzen auf, die zuvor auf die rissige Tischplatte geregnet waren, und ließ sie in einem kleinen Lederbeutel an ihrem Gürtel verschwinden. Ihre weißen Zähne blitzten im schwummrigen Licht.

„Das ist unmöglich“, klagte der Muskelberg und massierte sich stöhnend den Bizeps, „wie kann mich ein verdammtes Weib im Armdrücken besiegen?!“

Die junge Frau verschränkte die Arme vor ihren vollen Brüsten und pustete sich eine schwarze Haarsträhne aus der Stirn: „Heul nicht rum, sonst frage ich mich, wer von uns beiden das Weib ist.“

Einer der Schaulustigen, der bei dem kleinen Wettstreit auf den Verlierer gesetzt hatte, höhnte: „Genau! Sie hat einen größeren Schwanz in der Hose als du!“

Erbost ob dieser Beleidigung stand dieser auf streckte sich bedrohlich zu voller Größe. Seine Muskeln zeichneten sich deutlich unter der tätowierten, schweißüberzogenen Haut ab.

Er ließ die Fingerknöchel knacken: „Halt dein Maul oder ich werde es dir stopfen!“

Die junge Frau schwang sich elegant von der Bank und tippte den beiden Männern auf die Schulter. „Ich möchte euren Plausch nur ungern unterbrechen, aber schließlich bin ich heute Abend hierher gekommen, um ach-so-starke Kerle wie euch im Armdrücken zu besiegen und mich danach zu betrinken.“ Schulterzuckend überlegte sie: „Hm… vielleicht auch beides gleichzeitig.“ Sie stieß die beiden fort, sprang schwungvoll auf die Tischplatte, sodass die flachen Absätze ihrer braunen Lederstiefel klackten, und rief: „Wer ist der Nächste?“

Die Menschenmenge um sie herum teilte sich und ein breitschultriger Mann trat in das Kreisinnere. Er war barhäuptig, hatte einen Stiernacken und trug einen großen Ring als Nasenschmuck.

„Ich.“ Seine tiefe, dröhnende Stimme lenkte keineswegs von seinem struppigen Bart ab, der seine untere Gesichtshälfte vollständig bedeckte.

„Wer bist du überhaupt, Weib?“, tönte der Muskelberg, der seine Niederlage noch nicht verwunden hatte.

Wohl wissend, was ihr Name in den richtigen Kreisen auslösen würde, zeichnete ihre eisblauen Augen ein überlegener Glanz.

„Mein Name ist Zaradia.“

Sie streifte ihren langen, schwarzen Umhang ab, und enthüllte ein wertvolles Schwert, das an ihrem Gürtel steckte, genauso wie einen filigranen Dolch, verziert mit Gold und Silber.

Und das sind nur die für euch sichtbaren Waffen, dachte sie und ihre Mundwinkel hoben sich.

Einige der Schaulustigen starrten sie entgeistert an.

Natürlich taten sie es.

Wer würde die gefürchtetste Diebin und Mörderin Sycamores nicht so ansehen?

Die meisten dieser Minderbemittelten waren selbst Kopfgeldjäger oder jämmerliche Banditen. Und trotzdem taten sie gut, ihr mit Respekt zu begegnen und sich vor ihr in Acht zu nehmen.

Doch es gab auch jene, die die hungrigen Blicke an ihrem Körper hinab gleiten ließen. Für eine Frau war sie stark und doch besaß sie sinnliche, weibliche Kurven, derer sie sich nur zu gut bewusst war. Ihr schwarzes Haar fiel in großen Locken über ihre Schultern und umspielte ihr Gesicht, beherrscht von fesselnden, eisblauen Augen, einer feinen Nase und vollen Lippen. Blasse Sommersprossen zeichneten ihre Wangen.

„Mir macht der Name eines Phantoms keine Angst, Assassine Zaradia,“ behauptete ihr nächster Kontrahent und nahm auf der knarrenden Bank Platz.

„Hm…“, schnurrte sie und ging vor ihm auf dem Tisch in die Hocke, „für ein Phantom bin ich doch ziemlich real, meinst du nicht?“ Langsam, sodass er jede ihrer Bewegungen studieren konnte, lehnte sie sich vor und flüsterte in sein Ohr: „Eine Frau aus Fleisch und Blut.“

Jedes Mal aufs Neue genoss sie dieses Spiel, das sie mit den Männern spielen konnte, und wusste, dass ihr darin wohl niemand überlegen war und jemals sein würde.

Zaradia rutschte von dem Tisch herunter, zurück auf die Bank und stützte den rechten Ellenbogen auf den Tisch. Ihr Gegner tat es ihr gleich und umschloss ihre Hand fest mit seiner. Bevor sie die Muskeln spannte und die Stärke des Glatzkopfs testete, ließ sie ihren aufmerksamen Blick durch den Schankraum schweifen.

Es war eine ihrer mörderischen Gaben, jede Person, jedes Objekt und jedes Detail in Windeseile wahrzunehmen - und das sogar in der überfüllten Taverne.

Da änderte sich die Energie in dem Raum.

Ein Prickeln überlief ihre Haut und sie fühlte sich auf eine vertraute Weise beobachtet. Ihre Blicke trafen die einer Gestalt, die gelassen mit dem Rücken gegen eine Wand lehnte. Die Beine waren, genau wie die Arme, verschränkt und das Gesicht lag im Schatten einer Kapuze verborgen.

Zaradia fuhr sich mit der Hand durch ihr halboffnes Haar, das an ihrer rechten Schläfe in drei Zöpfen zurückgeflochten war, und zwinkerte der Person spielerisch zu.

Natürlich würde er heute nicht fehlen, ging es ihr durch den Kopf und sie schmunzelte.

„Ich sehe schon, du trägst braune Hosen“, machte sie sich dann über ihren Wettstreiter lustig, „eine durchaus gute Wahl.“

Ein spöttisches Grinsen spielte um ihre Mundwinkel.

„Warum?“, fragte dieser stirnrunzelnd.

„Damit niemand sieht, wie du dich gleich einscheißt.“

Der Schankraum brach in Gelächter aus und einige Krüge zerschellten auf dem dreckigen Boden.

Der Griff um ihre Hand festigte sich. „Dann lass uns anfangen!“

„Wer setzt auf mich?“, fragte sie erfolgssicher in die Runde und hielt dem ersten Versuch des Barhäuptigen, sie niederzuringen, mühelos stand.

Die Einsätze, die lauthals gebrüllt wurden, verschwammen zu einer einzigen Wand des Lärms, die Zaradia nicht länger interessierte.

Nach einigen Minuten des Armdrückens brannten ihre Muskeln, doch sie erkannte, dass der Glatzkopf schon am Ende seiner Kraft angelangt war. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und rannen in seine Augen.

Sie provozierte ihn mit arroganter Leichtigkeit: „Na, kannst du nicht mehr?“

Er presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen und die Adern an Hals und Oberarm traten deutlich hervor.

„Aaaaaah!“, schrie er und kämpfte weiter gegen sie an.

Die Männer um sie herum tobten und jubelten zugleich. Sie fieberten mit ihnen und feuerten sie grölend an.

Zaradias Brauen zogen sich zusammen und sie entschied, dass sie dieses Schauspiel nicht länger weitertreiben würde. Mit einem heftigen Ruck donnerte sie die Hand ihres Kontrahenten auf die Tischplatte, dann sprang sie auf, wandte sich um die eigene Achse und trat ihm schwungvoll gegen den Kopf, sodass er mit einem lauten Poltern auf den Boden krachte.

Sie lachte lauthals, genauso wie die Schaulustigen, die sich wild auf die Oberschenkel klopften.

Die Wetteinsätze wurden auf den Tisch geworfen, doch dieses Mal verkündete Zaradia mit ausgebreiteten Armen: „Die nächste Runde geht auf mich!“

Der gesamte Schankraum brach in Jubel aus und prostete ihr zu. Keinen Augenblick später drückte ihr ein einäugiger Halunke mit Schlitzohr einen Krug in die Hand und sie leerte das wässrige Bier in einem Zug.

Zaradia knallte ihren Krug auf den Tisch und fragte, entschlossen, ihren Geldbeutel zu füllen: „Kommt schon, ihr Schlappschwänze, wer von euch nimmt es gegen mich auf?“

„Das sollte wohl ich sein.“

Sie wandte sich in die Richtung, aus der diese männliche, vor Zynismus triefende Stimme gekommen war.

„Warum überrascht es mich nicht, dich heute hier zu sehen?“

„Lass mich kurz überlegen.“ Die Gestalt, die Zaradia zuvor entdeckt hatte, näherte sich ihr mit den sicheren Schritten eines selbstbewussten Mannes und legte in gespielter Nachdenklichkeit die Finger ums Kinn. „Leonardos Taverne ist die letzte am Rand Sycamores, in der die Diebe und Halsabschneider noch nicht von der größten Diebin und Halsabschneiderin der Stadt über den Tisch gezogen wurden.“

Zaradia nickte grinsend zu dem Glatzkopf, der sich mittlerweile aufgerappelt hatte, und stemmte nickend die Hände in die Hüfte. „Wortwörtlich.“

Die Gestalt erreichte sie, überragte sie um mehr als einen Kopf und legte in einer vertrauten Geste eine Hand auf ihre Schulter: „Es tut gut dich zu sehen, Dia.“

Sie lächelte bei dem Klang ihres Kosenamens, den niemand außer ihm verwendete, und dem warmen, fürsorglichen Klang seiner Stimme.

„Ja, es ist wirklich eine Erleichterung, ein nur halbentstelltes Gesicht unter all diesen Fratzen zu sehen.“

Ihr Gegenüber lachte und hörte auch nicht auf, als sie an den Rand seiner Kapuze griff und sie zurückzog.

Ein breit lächelndes Gesicht enthüllte sich und Zaradia sah in zwei Augen wie Tansanite. Bei keinem anderen hatte sie Iriden in dieser Farbmischung aus blau und rot gesehen, die das Produkt einer unheilbaren Krankheit waren, und ihr schon oft Gelegenheiten zu einem Scherz oder Sarkasmus gegeben hatten.

„Und wieder einmal wirfst du mit Komplimenten nur so um dich, Dia.“

Sie machte die Ironie in seinen Worten mühelos aus, auch wenn er sie mit seiner ernsten Miene zu kaschieren versuchte.

„Navin, bist du dir wirklich sicher, dass du mich herausfordern möchtest?“, ärgerte sie ihn und stieß mit der Schulter gegen seine Seite, „du weißt, dass ich nie ehrenvoll kämpfe und wie ich sehe, warst du auch schon einmal in besserer Form.“

Das war eine dreiste Lüge, doch sie verstand sich durch ihre… berufliche Tätigkeit weitaus besser als er darin, ihre wahre Intentionen und Absichten zu verbergen. Navin war hochgewachsen, breitschultrig und athletisch gebaut.

Belustigung spielte in seinem attraktiven Gesicht und seine violetten Augen blitzten amüsiert.

Zaradia neckte mit einer abschätzend hochgezogenen Braue: „Und ein bisschen Farbe könntest du auch vertragen. Du bist ziemlich blass.“ Das meinte sie sogar ernst. Seine Haut war nahezu makellos und erinnerte an Porzellan. „Du verbringst zu viel Zeit im Palast.“

Seine Hand strich von ihrer Schulter aus ihre Wirbelsäule hinab und verharrte an ihrem unteren Rücken.

„Dia…“, summte er, „du bist immer so besorgt um mich.“

Lachend stieß sie ihn weg und schoss zurück: „Du weißt genau, dass das nicht stimmt. Dafür kennst du mich lange genug und gut genug.“

„Leider,“ prustete er und lehnte sich entspannt an den Tisch, „aber was soll ich als Abgesandter Gazareths sonst tun?“

Auf einmal ging seine gute Laune wieder auf sie über, auch wenn die Erwähnung Gazareths, einer weiteren, bedeutenden Stadt in Alenien, an dunklen Erinnerungen rüttelte.

„Wie siehst du überhaupt aus?“, lenkte Zaradia dann mit einer abschätzenden Handbewegung ab.

Navin zupfte an seiner edel verarbeiteten Jacke aus dunkelblauem Brokat, gold-besticktem Revers mit hohem Kragen, die er halb geschlossen trug. Darunter kam ein weißes Hemd zum Vorschein. Navins Hose war passend zu seiner Jacke geschneidert worden und steckte in schwarzen Stiefeln.

„Das meinte ich nicht. Diesen schicken Fummel trägst du ja immer - schon seit ich dich kenne. Und das ist weiß Gott zu lange,“ meinte sie und fuhr ihm durch das zerzauste, schwarze Haar, das, wie das Gefieder eines Raben, bläulich glänzte und kurz geschnitten war. 

Mit kritischer Miene versuchte sie es in seine natürliche Form zu bringen, die in diesem Fall ein legerer Seitenscheitel war, der Navin einen Hauch von Verwegenheit verlieh.

„So. Schon viel besser,“ stellte sie zufrieden fest und betrachtete ihn für einen Moment.

Navins Gesicht war ihr beinahe so vertraut, wie ihr eigenes. Ausgeprägte Wangenknochen und ein schmaler Kiefer dominierten es, gleich neben seinen bestechenden Augen, der wohlgeformten Nase und seinem zynischen, frechen Mundwerk, das ihrem, nebenbei bemerkt, in Nichts nachstand.

„Hey!“, pöbelte ein alter Greis, „wird das heute noch was? Ich habe mein Geld auf dich gesetzt, Mädchen!“

Navin kam ihr zuvor, brachte ihn wortlos zum Schweigen und nahm ihm mit Leichtigkeit den Bierkrug ab. Er reichte ihn an Zaradia weiter, die ihn zur Hälfte leerte.

Bevor sie sich über die Lippen lecken konnte, strich Navin ihr den Schaum aus dem Mundwinkel und kostete: „Dieses Gesöff schmeckt besser, als ich es in Erinnerung hatte. Woran das wohl liegen mag?“

Sie ballte feixend die Fäuste und meinte doch ernst, was sie sagte: „Trink aus, denn jetzt gleich mach’ ich dich fertig.“

„Mit dem größten Vergnügen.“

Sie setzten sich am Tisch gegenüber und nahmen ihre Positionen ein.

Navin war stärker als sie, das wusste Zaradia, dennoch konnte sie ihn besiegen, wenn sie zu den besonderen Mitteln griff, die alleine ihr vorbehalten waren.

„Das schafft sie nicht,“ schätzten einige Trunkenbolde.

„Und ob sie das schafft,“ murmelte sie und plötzlich gab sie alle Kraft in ihren Arm.

Im ersten Moment gab Navin nach und sie glaubte sich siegessicher, aber er hatte sich schnell gesammelt und hielt ihr grinsend stand, als hätte er diesen Schritt erahnt.

„Du und deine Tricks. Damit hätte ich rechnen sollen, Dia.“

„Ich habe dich gewarnt. Ich kämpfe nie ehrenvoll.“

Zaradia ließ die Schaulustigen pöbeln und jubeln und grölen, bevor sie sich weiter über den Tisch lehnte. Sie trug eine braune Lederkorsage über ihrer Bluse, die tiefe Einblicke erlaubte, wenn sie es wollte. Und jetzt wollte sie es definitiv.

Sie sah Navin durch ihre langen Wimpern an und versuchte, sich die Anstrengung nicht anmerken zu lassen. „Und, Prinz, gefällt dir, was du siehst?“

Sie umklammerte seine Hand fester und versuchte ihn, mit aller Kraft niederzuringen.

„Oh ja, und das weißt du.“

Seine Stimme klang rau und sinnlich, trotzdem ließ er nicht nach.

Mistkerl, dachte sie verbissen.

Zaradia presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen und spürte, wie sich ein Schweißfilm auf ihrer Haut bildete.

Auf einmal sah Navin über sie hinweg und rief aus: „Die Schatten! Da sind die Schatten vor der Taverne!“

Zaradias Herz setzte einen Schlag aus.

Aufregung und Ehrfurcht pulsierten gleichermaßen durch ihre Adern.

Die Schatten.

Plötzlich wurde ihr Arm herumgerissen und ihre Hand knallte auf die Tischplatte.

Wütend wandte sie sich zu Navin um, der sich lachend auf der Bank krümmte und sie mit den Geldmünzen bewarf, die vor ihm auf den Boden prasselten. „Es funktioniert jedes Mal!“

„Du bist ein Bastard!“, fluchte sie und sah erneut zu dem Fenster, das einen Blick auf die dunkle Straße ermöglichte.

Das Blut rauschte in ihren Ohren und sie konnte dem Drang hinauszulaufen nur schwer widerstehen.

Navin kam noch immer prustend zu ihr und legte einen Arm um ihre Schultern: „Das hätte ich nicht tun sollen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die Schatten heute Nacht nach Sycamore kommen. Und auch wenn sie es tun würden, kehrten sie ohne dich in das Loch zurück, aus dem auch immer sie gekrochen sind.“

„Ich weiß,“ gestand sie sich knurrend ein, denn er hatte Recht.

Er reichte ihr einen hochgefüllten Krug. „Komm, lass uns trinken, Dia.“

„Ja, lass uns trinken.“

Und sie tranken die ganze Nacht.

Doch Zaradia konnte der Versuchung, hin und wieder aus dem Fenster zu spähen, nicht widerstehen. Sie war nach Sycamore gekommen, um sich den Schatten anzuschließen, zu denen sie seit ihrer Kindheit gehören wollte. Denn nur durch die Rebellen Aleniens würde sie endlich ihre Freiheit erlangen können.

Seit fünf verdammten Jahren lebte sie in dieser gottlosen Stadt.

Und seit fünf verdammten Jahren blieb ihr die Freiheit verwehrt.

Bei den Göttern, sie würde heute die Fässer in Leonardos Taverne leeren.