Göttliches Vermächtnis:

Tochter des Lichts, König der Welten 1, König der Welten 2, Zeit der Brüder

 

 

  

Wie alles mit einem Buch begann:

Mit "Göttliches Vermächtnis" hat alles begonnen. Als ich 17 Jahre alt war wurde Band 1 "Tochter des Lichts", mein Erstlingswerk, veröffentlicht. Von 2013 bis 2017 ist die Buchreihe aus dem Genre Fantasy fertiggestellt worden. Ursprünglich für Jungendliche und junge Erwachsene verfasst, konnte sie eine große Lesergemeinde begeistern und wurde, wie die Verkäufe aus dem Buchhandel mehrfach bestätigt haben, zu einem sogenannten "All-Ager". Die Geschichte der Halbgötter Tayla und Elozar ist mit Band 4 "Zeit der Brüder" zu Ende erzählt, jedoch werde ich eines Tages in ihre Welt zurückkehren, um die Geschichte von einer meiner liebsten Figuren, Arwenar Puppenspieler, zu Papier zu bringen. Auf dieser Seite findet ihr zu den Büchern eine Inhaltsangabe, eine Karte, Presse- und Leserstimmen sowie eine Leseprobe.

 

Inhaltsangabe:

Magie, Liebe, Krieg und Verrat... 
Das Schicksal der Sterblichen Welt liegt in den Händen der Halbgötter Tayla und Elozar. Es ist ihre Aufgabe zu verhindern, dass ihre Heimat Lorolas im Feuer eines Krieges zu kalter Asche zerfällt. Durch ein magisches Amulett auserwählt, muss Tayla lernen, mit ihrer Bestimmung zu leben, denn sie bedeutet gleichzeitig Fluch und Segen. Doch Magie, eine verbotene Liebe und politische Ränkespiele stellen ihr Schicksal auf eine harte Probe. Die Grenzen zwischen Verbündeten und Feinden verschwimmen, von grausamer Klarheit sind nur König Jadro, der die Welt unter dem Banner seiner Tyrannei vereinen will, und ihr treuer Begleiter, der Löwe Elozar. Sollten die Halbgötter scheitern, droht nicht nur der Welt die Zerstörung, sondern auch Taylas Herz. Wird es ihnen gelingen, die finsteren Mächte Kratagons zu bezwingen?

 

Karte von Lorolas und Kratagon:

 

Wo gibt es die Bücher?

"Göttliches Vermächtnis" ist überall erhältlich, wo es Bücher gibt, das heißt im Buchhandel, bei Amazon, Thalia, etc... Im Shop auf dieser Website gibt es die Bücher mit Widmung und Lesezeichen. Der Versand ist kostenlos.

 

Presse und Leserstimmen:

„Fantasyromane gehören bei mir im Bücherregal eher zur Ausnahme, aber dieser hier ist wirklich lesenswert. Die Autorin hat eine großartige Geschichte entwickelt und was ich sehr sympathisch finde: Die Personen haben auch kleinere Schwächen, göttlich hin oder her.“ K. Pauer, Buchtipp bei Radio Erft, Ruhr, Köln, Bonn.

„Deutlich profitiert man als Leser von ihrem [Buschmann] gereiften Schreibstil, der nichts von seiner Bildgewaltigkeit und seinem Charme verliert. Eine spannende Geschichte, mit vielen neuen überraschenden Charakteren, die auf ein genauso spannendes Finale hoffen lässt. Neben dem Schreibstil hat mich vor allem die Vielfalt und die Schattierungen der neuen Charaktere überzeugt.“ H. Eichinger, Buchhändlerin & Rezensentin bei Thalia

„Ein neuer Stern am Fantasyhimmel.“ Inna

„Vollendete Fantasy im unverkennbaren Stil von Kathrin Buschmann.“ V. Kratz-Müller

„Göttliches Vermächtnis – man könnte denken es sei Kathrin Buschmanns Schreibkunst gemeint.“ J. Andreschak

„Diese junge Autorin ist ein Naturtalent! Ihr erstes Buch ist grandios. Man ist von der ersten Seite an gefesselt. Ihr Buch ist ein absolutes Muss. Ich bin bereits großer Fan!“ M. Güttgemanns

„Geprägt von unerwarteten Wendungen, Verrat, Freundschaft, großartigen Helden und tiefgründigen Fragen.“ Money

„Immer wieder ein Genuss. Handwerklich einwandfrei! Lesespaß, bei dem keine Langeweile aufkommt.“, I. De Hiselles

 

 

"Göttliches Vermächtnis" in den Jahreshighlights der bekannten Bloggerin beautymango auf youtube hier:

Vorstellung der gesamten Reihe von der bekannten Bloggerin sweetcherry hier:

 

Rezensionen:

Auf Amazon, Thalia und anderen Portalen sind sehr viele Rezensionen zu den Büchern zu finden. Hier erlaube ich mir, eine Auswahl zu präsentieren:

 
 

 

 

 

  

 Leseprobe aus Göttliches Vermächtnis - Tochter des Lichts:

 

Kratagon

 

Umbras Versprechen

 

Im Weißen Gebirge, im Osten Kratagons, lag der See des Grauens. Hoch oben zwischen den Gipfeln füllte er eines der nebelverhangenen Täler aus, die von steilen Klippen und eisigen Landschaften umsäumt wurden. Wie ein glänzender Teppich, in dem sich die Launen des Himmels spiegelten, lag er ruhig in seinem schier ewig scheinenden Schlummer.

Spannung lag in der eiskalten Luft. Das dunkle Grün des Nadelwaldes war mit Schnee überzogen. Wolken hingen vor dem Sichelmond, der zwischen zwei Bergwipfeln wie in einer Wiege gewogen wurde.

„Satia.“, flüsterte eine machtvolle Stimme.

Sie gehörte Jadro, dem Herrscher Kratagons, der, in einem Pelzmantel gewandet, am Ufer des Sees stand. Der Rubinring, den er am Finger trug, blitzte im Mondlicht auf. Über seinem Kopf leuchteten zwei riesige, bedrohliche Augen. Dieses Augenpaar gehörte zu dem unterjochten Wächter Satia. Dieser wachte über seinen Bezwinger und sein schemenhafter Körper verschwamm mit der nächtlichen Landschaft. Lediglich sein grollender Atem durchbrach die Stille der Nacht.

Regungslos stand Jadro am Ufer des Sees, die Hände auf dem Knauf seines Schwertes gefaltet, dessen Klinge er vor sich in den gefrorenen Boden gerammt hatte. Nur seine Blicke wanderten von rechts nach links, auf der Suche nach dem Volk, das sich lautlos in den Schatten des Nadelwaldes versammelte.

Schon lange hatte er auf diesen Tag gewartet. Es war ein weiterer Teil seines finsteren Plans, der ihn der Unterwerfung der Sterblichen Welt einen Schritt näher brachte. Heute war der Tag gekommen, an dem für den einen eine ganze Welt zusammenbrechen würde – nur um für den anderen eine neue Welt zu erschaffen.

Aus dem vom Winter gezeichneten Wald, hoch oben auf den Klippen, sprangen unheilvolle Rösser. Sie waren so schwarz wie die finstere Nacht selbst und wurden von Kriegern, geritten, die sie mit Kampfgeschrei antrieben. Die Kratagoner nannten sie Nachtmare. Geführt wurde dieses Heer, das das weiße Land wie schwarzes Pech überflutete, von einem Reiter, der so sagenumwoben und gefürchtet war, wie der Wächter Satia.

Wie eine sich türmende Welle preschte das Heer auf König Jadro zu. Wo die Nachtmare mit ihren Hufen aufschlugen, schmolz der knöchelhohe Schnee. Ihr blutrünstiges Wiehern klang wie markerschütternde Schreie. Bevor sie sich die steilen Berghänge hinabstürzten und in den Nebelschwaden verschwanden, die das Tal unter sich begruben, blieben sie stehen.

König Jadro konnte erkennen, wie die Nachtmare mit ihren knochigen Vorderbeinen durch die Luft schlugen. Ihre rot glühenden, pupillenlosen Augen leuchteten in der Ferne wie eine Wand aus tanzenden Lichtern. Auf einen gebrüllten Befehl hin setzte sich das Heer erneut in Bewegung und wurde vom Nebel begraben.

König Jadro fürchtete sich weder vor den dämonischen Nachtmaren, noch vor ihren teuflischen Herrn.

Der Reiter, der das Heer anführte, verbarg sein Gesicht hinter einer Maske. Er schoss als erster aus dem dichten Nebel, wobei sein langer Umhang von Windböen gepeitscht wurde. Das Donnern der Pferdehufe vollendete das schaurige Lied von Kampfgeschrei und dem dröhnenden Atem des Wächters.

Der Maskierte zügelte sein Reittier erst unmittelbar vor Jadro. Dieser trat keinen Schritt zurück, als ihn das Nachtmar blutrünstig aus seinen rot leuchtenden Augen anfunkelte. Unbeeindruckt musterte er die Kreatur, der es nach Menschenfleisch gelüstete. Sie erinnerte an ein Pferdeskelett, überzogen mit pechschwarzer, dicker Haut. Die Nüstern waren von den Reißzähnen eingerissen und blutig.

„Jadro, Herrscher Kratagons.“, sprach der maskierte Reiter, als sich der Rest des Heeres hinter ihm aufgereiht hatte.

„Umbra, Fürst der Dunkelelfen.“ Ihre Blicke trafen sich. „Die Zeit ist gekommen.“, sagte Jadro mit fester Stimme.

„Dies ist mir gewiss.“

„Ihr seid der Fürst dieses Volkes, Umbra, der Unsterbliche!“, rief der Monarch in die Finsternis.

Vogelschwärme flogen aufgeschreckt aus den Tannen. Man konnte hören, wie sie wild mit den Flügeln schlugen. Die Nachtmare der anderen Reiter stiegen und wieherten. Sie stampften mit ihren starken Vorderbeinen, und der Schnee am Ufer schmolz.

Umbra wandte sich zu seinem Volk um: „Zieht euch zurück.“

Die Reiter taten wie ihnen geheißen und verschwanden in den Schwaden von Wasserdampf und Nebel.

„Steigt ab.“, drängte König Jadro.

Leichtfüßig schwang Umbra sich aus dem Sattel. Dabei wurde sein langes, schwarzes Haar vom Wind gepeitscht und spitze Ohren kamen zum Vorschein.

„Ihr wisst, warum mich mein Weg zu Euch führte, Fürst der Dunkelelfen.“

„Ja, dem bin ich mir bewusst. Die Sonne färbte den Himmel während ihres Untergangs blutig rot. Sie kündigte Euren Besuch an. Denn Blut ist es, was vergossen wurde und vergossen werden wird, wenn Ihr die Welt unter dem kratagonischen Banner eint...“

„So ist es, Umbra. Ihr seid Euch sicher bewusst, dass Kratagon in einem Krieg nicht auf die Dunkelelfen verzichten kann. Mein Ahnherr Kragon machte Euch nach der Spaltung der Sterblichen Welt zum Herr des Weißen Gebirges. Auch unter meiner Regentschaft seid ihr souverän geblieben. Mit dem heutigen Aufgang der Sonne ist der Tag gekommen, an dem ich von Euch einfordern werde, was Ihr Großkönig Kragon versprochen habt.“

Umbra straffte sich und in seine mandelförmigen Augen trat ein Funkeln, das erahnen ließ, dass er wusste, was Jadro jetzt verlangen würde.

„Nehmt Eure Maske ab, Fürst, ich will Euch ins Gesicht sehen, wenn wir den Pakt schließen, der die Welt verändern wird.“

Er zögerte: „Ihr wisst, was geschieht, wenn-“

Jadro schnitt ihm unbeeindruckt das Wort ab: „Und Ihr wisst, dass ich mächtiger bin als alle anderen, die vor mir das Licht der Welt erblickt haben. Nehmt Eure Maske ab.“

Umbra kam seiner scharfen Forderung nach und löste die Verschnürungen seiner Maske. Als er sie abnahm, entblößte er ein makelloses Gesicht, das keineswegs vom Alter gezeichnet war.

Jadro studierte seine Züge eindringlich. Er hatte noch nie das Gesicht eines unsterblichen Fürsten der Dunkelelfen gesehen. Man sagte den Unsterblichen nach, dass sie von unvorstellbarer Schönheit waren. Diese Schönheit brachte jeden Sterblichen um den Verstand, sodass sich ihre Diener freiwillig die Augen ausstachen, um ergeben zu erfüllen, was ihnen die hohen Herrn auftrugen.

Der König war für einen Moment irritiert, denn die blauen Augen Umbras erinnerten ihn stark an die eines anderen Mannes, der auch ein Grund für seinen heutigen Besuch war.

„Wundervoll.“, begann Jadro zufrieden, „jetzt können wir endlich beginnen. Ich, wie auch meine Vorfahren, haben unseren Teil des alten Versprechens gehalten. Jetzt, da der Krieg gegen Lorolas naht, ist es an der Zeit, dass Ihr mich für Eure Herrschaft entlohnt. Ein halbes Jahrtausend wart Ihr der Souverän der Dunkelelfen aus dem Weißen Gebirge, ein halbes Jahrtausend wart Ihr unabhängig von der kratagonischen Krone. Heute fordere ich ein, was Ihr Großkönig Kragon zugestanden habt. Eure Bündnistreue und Eure Unterstützung im Krieg, der in Liedern als Wende der Geschichtsschreibung besungen werden wird! Er wird den Beginn eines neuen Zeitalters darstellen...“

Umbra schürzte die Lippen und sah ihn durchdringend an. Jadro wusste um den Stolz des dunkelelfischen Volkes und er wusste ebenso, dass ein unsterblicher Fürst keine Befehle befolgte.

„Kragon schwor ich vor fünfhundert Jahren, dass ich Rache an den Göttern des Lichts und seinem Bruder Loras nehmen würde. Ich verfluchte Loras' Verbündete und seine Nachfahren. Auch nach all den Jahren nach der Teilung der Welt ist mein Rachedurst nicht erloschen.“ Er sah König Jadro scharf an. „Aber die Umstände haben sich geändert. Ihr wollt Lorolas Euren Banner der Tyrannei aufzwingen und es unter das Joch Eurer Schreckensherrschaft stellen.“

Nun war er es, der Jadro nicht zu Wort kommen ließ, als dieser zischend die Luft einsog: „Ich kannte Kragon. Ich habe ihn geschätzt wie einen Bruder. Er war besessen. Er war vielleicht sogar so besessen von der Macht wie Ihr, König Jadro. Aber ich habe ihn als einen Mann mit Wertvorstellungen kennengelernt – und als einen Mann, der sein Schwert nie gegen die Seinen erheben würde.“

Jadros Mundwinkel zuckten kurz zu einem boshaften Lächeln: „Heißt das also, dass Ihr Euren Schwur brecht?“ Seine Stimme war auf eine gefährliche Art emotionslos.

„Das heißt, dass ich Zweifel habe, mein Volk der Gnade eines Mannes auszusetzen, der seine eigenen Söhne in einem drakonischen Spiel bis auf den Tod gegeneinander kämpfen lässt!“

Der König nestelte am Knauf seines Schwertes: „Diese Nachricht ist also auch bis in Eure Täler gedrungen...“

„Das ist sie allerdings!“ Aus Umbra sprachen reines Unverständnis und Entsetzen, während Jadro diese Angelegenheit völlig kalt ließ.

Dieser sah heimtückisch zu dem Dunkelelf: „Sprechen wir nicht über verlorene Söhne.“

Umbra zuckte zusammen und schloss seine Maske fest in der Faust ein. Jadro wusste, dass er einen Nerv getroffen hatte. Und er würde in dieser Wunde bohren... Aber noch war die Zeit nicht reif.

Der Fürst bändigte Zorn und Trauer, die ihn manchmal wie ein plötzlicher Sturm ergriffen und ihn Legenden, Sagen und Wahrheiten schreiben ließen. Der König wartete nur darauf, dass Umbra sich zu einem vulkanartigen Gefühlsausbruch verleiten ließ, aber diesem gelang es, die Seelenregungen zu bezwingen, bevor er ihnen mit Schwert, Pfeilen und Magie Ausdruck verleihen konnte.

„Dann lasst uns über Euer Volk sprechen, König von Kratagon.“

Er hatte ihn verärgert, das war offenkundig. „Wie Ihr wünscht.“, entgegnete er im vollen Bewusstsein, dass er ihn mit dieser apathischen Antwort nicht besänftigen würde.

Umbra presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, bevor er sagte: „Es ist Euer Volk, Jadro, Euer Volk, das Ihr seit dem Beginn Eurer Herrschaft bluten lasst. Wie könnte ich bedenkenlos glauben, dass Ihr die Meinen würdig behandelt und führt, wenn Ihr die Euren peinigt und knechtet?“

Jadro sprach in Ekstase, in einem Hochgefühl der Erregung: „Mein Vater lehrte mich das Handwerk der Herrschaft. Er lehrte es konsequent. Er hatte seine Mittel, um mich gewisse Dinge verstehen zu lassen. Ich war ein Prinz, der Thronfolger – der baldige König! Folter, Sklaverei und Tod sind die legitimen Lehrmeister des Pöbels.“

„Und Dunkelelfen sagt man nach barbarisch zu sein... Wir pflegen Traditionen und diese werden wir nicht aufgeben. Aber die Unsterblichen führen keine Kriege gegen ihr eigenes Volk!“

Jadro lachte das kaltherzige Lachen des bitteren Triumphs: „Kratagon wird in Lorolas nicht umsonst als Land des Krieges tituliert!“

„Warum vereint Ihr die inneren Kräfte nicht?! Ihr lasst es zu, dass Kratagon aus dem Inneren zerstört wird.“

Jadros Finger umschlossen den Schwertknauf, doch seine Stimme blieb ruhig: „Stellt Ihr etwa meine Führung infrage?“

„Ja, das tue ich. Genau das ist der Grund, warum es mir widerstrebt, Euch meine Bündnistreue zuzusichern.“

„Ihr mögt Euer Weißes Gebirge kennen, nicht aber den Rest des Landes. Ihr wisst nicht, warum Schlachten gefochten werden. Es war die Wegbereitung für den kommenden Krieg gegen unseren gemeinsamen Feind. Niemand wird es wagen, sich mir zu widersetzen!“ Er schrie mit einem Mal laut und der Atem stand vor seinem Gesicht, als er keuchend endete.

Umbra strich den Umhang hinter sich, der sich wegen des Windes um sein Bein geschlungen hatte: „Nennt mir nur einen Grund, warum ich nicht in mein Reich zurückkehren sollte.“ Er zog die Brauen zusammen. „Nachdem Ihr mir wie einem unwürdigen Trabant entgegengetreten seid. Wärt Ihr nicht der König-“ Er grollte. „Wärt Ihr nicht der König, ich hätte in dem Moment meinen Langdolch in Eurer Brust versenkt, als Ihr zum ersten Mal Euren Mund aufgesperrt habt!“

Umbras Stimme klang wieder ausgeglichen, seine Gesichtszüge ließen auf seine wahren Emotionen schließen: „Nennt mir einen Grund, Jadro, einen Grund.“

„Ich werde von Euch keine Forderung, geschweige denn einen Befehl, entgegennehmen.“, provozierte er mit greifbarer Abgeklärtheit.

Der Fürst ließ seine Hand an einen Köcher gefüllt mit Pfeilen wandern, den er, wie einen kunstvollen Langbogen, geschultert trug.

„Daran würde ich nicht einmal denken.“, warnte Jadro, begleitet vom blutrünstigen Schnauben des Nachtmars.

Der laute Atem des sagenumwobenen Wächters stimmte daraufhin wieder in die schaurige Melodie ein.

Blitzschnell spannte Umbra einen Pfeil auf der Sehne des Bogens und visierte Jadros Auge an.

Der König hob die rechte Hand und präsentierte ihm den Rubinring, der an seinem Zeigefinger steckte: „Es kostet mich nur einen Gedanken und Euer Bogen bricht entzwei.“

„Würde ich die Stimme heben und die Worte der Magie sprechen, dann würde Euch das Fleisch von den Knochen schmelzen... Aber ich habe meine Ehre noch nicht verloren. Außerdem könnt Ihr mir nichts anhaben, denn ich bin der Unsterbliche von uns.“

Jadro lächelte und ließ die ringbestückte Hand sinken. Umbra nahm daraufhin den Pfeil von der Sehne und steckte ihn zurück in den Köcher.

„Dieser Krieg, Umbra, er wird die Welt verändern.“, begann König Jadro. „Der Wächter Satia wird sie alle das Fürchten lehren! Seine Macht geht auf mich über! Ich werde stärker, je länger ich diesen Ring trage. Ich werde mich zum König der Welten krönen.“

„Ich weiß, dass der Wächter nur Euch gehorcht, nachdem Ihr ihn unterworfen habt... Alleine Ihr gebietet ihm, was er zu tun hat. Jetzt, da er unter Eurem Joch steht, ist sein eigener Wille gebrochen.“

Jadros Augen verfinsterten sich. „Das ist wahr.“

„Also ist es Euer Vergehen, wenn er Kratagoner tötet.“

„Was sind ein paar Leben schon wert, wenn mein Name in die Geschichte eingehen wird, Umbra? Wie weit können sich die Schatten ihres Todes in Anbetracht des hellen Scheins meiner Regentschaft schon übers Land ziehen?“ Jadro straffte sich und riss das Schwert aus dem gefrorenen Boden. Wieder sprachen das Hochgefühl der wilden Erregung und der berauschende Wahn von Macht aus ihm: „Ich werde siegreich aus dieser Jahrhundertschlacht hervorgehen! Das Volk wird mich dann nicht mehr nur als König, sondern als Gottesbezwinger kennen! Ob Euer Name, Umbra, neben meinem in den ersten Zeilen der Geschichtsbücher stehen soll, müsst Ihr jetzt entscheiden. Entscheidet, ob die Barden noch in hunderten, nein, in tausenden Jahren über Euch singen und dichten sollen!“

Mit ausgebreiteten Armen hob und senkte sich Jadros Brustkorb schnell. Ein Ausdruck von Besessenheit verzog sein Gesicht.

„Mir hat der Wächter das angetan.“, begann er kurzatmig, während seine Finger über die große Narbe strichen, die diagonal durch sein Gesicht schnitt, „mir! Seinem Herrn! Bedenkt nur, Umbra, was er ihnen antun wird...“

In diesem Moment trat der sagenumwobene Wächter Satia aus dem Schatten der Nacht. Man hörte lediglich das Eis unter seinen Klauen knarren. Der Wächter reckte sein massives Haupt dem Sichelmond entgegen und breitete die gewaltigen Schwingen aus.

Umbra sah an dem drachenähnlichen Geschöpf hinauf, betrachtete seine messerscharfen Fänge, die er bei Furcht einflößendem Gebrüll entblößte. Dann wanderten seine Blicke an den harten Schuppen hinab, die ihn vollkommen bedeckten, bis hin zu seinen langen Klauen. Der Wächter peitschte mit seinem Zacken bespickten Schwanz. Dann hefteten sich seine schlangenartigen Augen auf Umbra.

Der Dunkelelf sank untergeben vor der Kreatur auf die Knie: „Mein Volk verehrt Euch wie einen Gott, Satia, oh großer Wächter.“ Er legte seinen Bogen vor seinen Klauen auf den Boden. „Ich wage nicht, Euch ein zweites Mal anzusehen. Ich habe Euren Hort, den See des Grauens, wie meinen kostbarsten Schatz behütet. Er ist der Dunkelelfen größtes Heiligtum.“

Jadro nahm neben dem Wächter Haltung an, das Schwert schob er zurück in die Scheide. Er würde Umbra überzeugen und ihn an sich binden. Der Anblick Satias zerstreute seine Zweifel, das erkannte er. Die Dunkelelfen verehrten ihn wie einen Gott. Selbst das dämonische Nachtmar hatte sein Haupt geneigt.

„Hiermit erkläre ich unser Bündnis für besiegelt, Herrscher Kratagons.“, erklärte Umbra feierlich, als er sich wieder aufrichtete.

„Nach fünf Jahrhunderten haltet Ihr das Versprechen, das Ihr Großkönig Kragon gegeben habt.“ Jadro lächelte und fügte gefällig hinzu: „Es ist fast so, als würde man einen verlorenen Sohn wiedersehen, findet Ihr nicht, Umbra?“

Der Fürst schaute ihn misstrauisch an. Jadro weidete sich an seiner Verwirrung und dem Schmerz, der seine Züge dominierte.

„Was wollt Ihr mir damit sagen?“

„Ich hätte Euch gewiss keine Wahl gelassen, Euch gegen das Bündnis zu entscheiden... Ich nehme an, dass Ihr Euren Sohn nach all den Jahren noch einmal wiedersehen wollt...“

Fassungslos entglitten Umbra die Zügel des Nachtmars: „Was habt Ihr ihnen angetan?!“

„Ich sprach lediglich von Eurem Sohn...“

Umbra stürmte wutentbrannt auf den König zu, warf ihn rücklings zu Boden und legte die Hände um seinen ungeschützten Hals: „Ihr wisst genau, von wem ich spreche! Was habt Ihr meiner Frau angetan?!“

„Liliana war nicht Euer Weib! Ihr habt diese Hure nicht geehelicht. Ihr seid mit Ihr nicht den heiligen Bund eingegangen.“

Was habt Ihr ihr angetan?“

„Sie war des Lebens nicht würdig.“

„WAS HABT IHR IHR ANGETAN?!“

Jadro lächelte selbstgefällig. Er genoss, was er Umbra mit der folgenden Wahrheit antun würde: „Liliana sind in ihren letzten Tagen Dinge widerfahren, von denen Ihr nicht zu träumen wagt, Fürst der Dunkelelfen... Sie, dieses Menschenweib, war der Überzeugung, dass Ihr sie befreien würdet...“

Er bohrte den Blick in die blauen Augen seines Gegenübers. Sie waren tränennass. Angst, Trauer, Schmerz und unermesslicher Zorn standen in ihnen geschrieben.

Zufrieden fuhr er fort: „Sie schrie, als ich mich ihrer annahm... Sie schrie, als ich sie bis zur Bewusstlosigkeit folterte und vergewaltigte. Als ich ihrer überdrüssig wurde, überließ ich sie meinen Männern... Deren Hände hatten noch nie die Haut einer hohen Frau eines Unsterblichen berührt...“ Seiner Kehle entkam ein belustigtes Lachen. „Ihr könnt Euch sicher vorstellen, Umbra, wie sie sich nach ihr verzehrt haben. Sie töteten sich gegenseitig, nur um sich dann an ihr zu vergehen. Ich hielt sie nicht davon ab, natürlich nicht... Ich sah mit meinen eigenen Augen wie Eure Hure geschändet wurde. Meine Ohren hörten ihre verzweifelten Schreie. Liliana wollte doch bloß, dass Ihr kommt, um sie zu retten. Doch der Unsterbliche, der weiße Ritter, er wollte einfach nicht kommen...“

Umbra lies von ihm ab und sank zu Boden.

„Ich habe sie weder begraben, noch hat sie den Feuertod gefunden. Auch wurde ihr toter Leib nicht nach dunkelelfischer Tradition zum heiligen Ort des Ursprungs gebracht, damit ihre Seele dort zu den Sternen hinaufgleiten konnte, um auf die Wiedergeburt zu warten. Nein, Liliana verrottete... Sie verrottete gleich vor den Augen Eures geliebten Sohnes...“

Aus Umbras Körper wich jegliche Spannung.

„Doch für dieses Kind mit den unvergleichlichen, blauen Augen war ein Tod wie der seiner Mutter nicht...“ Er überlegte, „angemessen.“

„ICH SCHLACHTE EUCH UND WEIDE EUCH AUS, WENN IHR MEINEM SOHN ETWAS ANGETAN HABT!“, brüllte Umbra.

Das Nachtmar stampfte mit den Hufen.

„Euer Sohn ist nicht tot, wenn das Eure größte Sorge ist.“, fuhr Jadro sachlich fort, „der Bastard ist aber auch nicht zu dem Mann herangewachsen, den Ihr Euch erträumt habt. Er ist unter dem Namen Zacharias bekannt, wie Ihr und Eure Hure ihn nannten.“

Jadro genoss es, wie jedes Wort Umbras Herz in Fetzen riss.

„Ich war sein Lehrmeister.“

Der Dunkelelf sackte auf die Knie.

„Ich war der Schmied seines Fleisches, seines Willens und seines Geistes.“

Umbra erbebte. Das unvergleichliche Gesicht vergrub er in zitternden Händen.

„L-Lebt e-er?“

„Ja, er lebt.“

Der Fürst sah zu ihm auf: „Warum habt Ihr-“

„Ihr wollt wissen warum, Umbra?“ Er lachte bitter. „Seht Euch um, denkt an unser Gespräch und Ihr beantwortet Euch diese Frage selbst.“

„Ihr habt das alles seit über fünfundzwanzig Jahren geplant?“

„Ich kenne Euch ein Leben lang, Umbra. Ich wusste, dass ich gewisser... gewisser Druckmittel bedürfte, wenn ich Eure Bündnistreue einfordern würde.“

„Mein Sohn ist kein-!“ Er schüttelte überfordert den Kopf. „Er ist mein Erbe! Ihr macht ihn zu einem Objekt Eurer Machenschaften! Ihr spinnt ihn in das Netz Eurer Intrigen!“

„Ich habe ihn nicht zu einem Faden in einem immer gleichen Netz gemacht. Nein. Durch mich ist er vielmehr zum Weber, zu einer Spinne, geworden.“

Umbra sprang auf: „Wehe Eure Schlangenzunge spricht eine weitere Lüge aus!“

„Eine Lüge? Ich spreche die Wahrheit.“, entgegnete der König ungerührt. „Solltet Ihr Euch in Zukunft dennoch gegen mich stellen und mir Eure Unterstützung im Krieg versagen, dann wird der Bastard darunter leiden.“

„Warum sollte ich Euch glauben?“

Jadro sah ihn kühl an: „Das tut Ihr bereits.“

„Ich will Zacharias sehen. Ich will meinen Sohn sehen! Wo ist er?“

„In Lorolas. Er befindet sich in Lorolas, um die Tochter des Lichts und den Sohn des Löwengottes zu töten. Er bereitet Kratagon den Weg in das ferne Land... Schon bald wird es wieder eine vereinte Welt geben, Fürst Umbra, und ich werde zum König der Welten aufsteigen. Ja, schon sehr bald.“

 

Neugierig? Hier geht es weiter: